Beschreibung
Ein jeder von uns ist bestens vertraut mit dem nunmehr weltweit verbreiteten gregorianischen Kalender, der durch Reformierung des julianischen Kalenders entstanden ist. Bei beiden Kalendersystemen handelt es sich um reine Sonnenkalender, bei denen der Lauf des Mondes keinerlei Rolle für die Jahreszählung spielt. Doch vor der Einführung der reinen Sonnenkalender benutzten in Europa sowohl Römer, Griechen als auch Gallier und Germanen gebundene Mond- oder Lunisolarkalender, bei denen der Mond der maßgebliche Jahrzähler war. Neben dem gut überlieferten römischen und griechischen Lunisolarkalendern konnte der gallorömische Lunisolarkalender aus den Fragmenten von Coligny und Villards dHéria weitestgehend rekonstruiert werden. Dieses Buch versucht nun anhand von antiken, mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Literaturquellen die Charakteristika des gebundenen Mondkalenders der Germanen zusammenzustellen.Dieser gebundene Mondkalender hat nicht nur seine Spuren in alten Gesetzbüchern und den mythologischen Überlieferungen der Eddas und Sagas hinterlassen. Er wurde noch lange, d.h. bis in 17. Jahrhundert, parallel zur Berechnung von Jahreskreisfesten benutzt. Diese Jahreskreisfeste im gebundenen Mondjahr bilden nach der Rekonstruktion der Schaltregeln des Lunisolarkalenders der Germanen den zweiten Schwerpunkt des Buches. In Exkursen über die antiken Kalender wird auch auf die Ursprünge von bekannten Festen wie Weihnachten und Ostern eingegangen.Den Abschluss bilden die Festlichkeiten im Rahmen des (inklusiven) neunjährigen Schaltzyklus (Oktaeteris) dieses gebundenen Mondkalenders und der damit verbundene Mythos Vom Tod König Auns, der uns als Teil der Ynglingasaga überliefert wurde.
Inhalt
Vorwort zur 1. Auflage 9Vorwort zur 2. Auflage 111. Die Weltmuhle dreht sich 132. Vorbetrachtungen: Von Nächten, Tagen und Wochen 172.1. Die Unterteilung des Tages und der Nacht 182.2. Die Woche 202.2.1. Die Neun-Nächte-Woche bei den baltischen Völkern 202.2.2. Der Nundinalzyklus der Römer 212.2.3. Die Sieben-Tage-Woche (Planetenwoche) 222.2.4. Die Funf-Tage Woche bei Färingern und Kelten 273. Die Vierteilung des Monats 293.1. Exkurs I: Die Unterteilung des Monats bei Etruskern und Römern 334. Die Monatsnamen 374.1. Die Problematik der zwei Jólmonate 374.2. Der Schaltmonat 394.3. Die regulären Monate 415. Welche Arten von Kalendern gibt es? 576. Die germanischen Lunisolarkalender 596.1. Der 13-Monats-Kalender der Angeln nach Beda Venerabilis 596.2. Der 13-Monats-Kalender der Dänen nach Olaus Wormius 646.3. Der färöerische Lunisolarkalender nach Niels Winther 666.4. Der isländische oder nordische Wochenkalender 697. Das Mit- und Nebeneinander der verschiedenen Kalendersysteme 737.1. Exkurs II: Der julianische Kalender, der 25. Dezember und die Wintersonnenwende 737.2. Exkurs III: Die gregorianische Kalenderreform oder von der Diskrepanz zwischen Sonnenkalender und Sonne 857.3. Vom Mond- zum Lunisolarkalender 897.3.1. Die Diskrepanz zwischen Mond- und Sonnenjahr 897.3.2. Die Wintersonnwende als solares Fixdatum 917.3.3. Exkurs IV: Das Dodekahemeron 937.4. Die Schaltregel des germanischen Lunisolarkalenders 967.4.1. Die Bedeutung der Differenz zwischen Mond und Sonnenjahr fur die Monatsschaltung 967.4.2. Winter-, Jól-, und Distingsregeln im mittelalterlichen Schrifttum 997.4.2.1. Die Jólmondregel 1007.4.2.2. Die Distingsregeln 1017.4.2.4. Der Finnisch-/Saamische Jahreskreis und dessen Schaltregel 1057.4.2.5. Fazit der Merkregeln zur Bindung des Mondjahres an das Sonnenjahr 1088. Der Lunisolarkalender in der germanischen Mythologie 1099. Die Jahreszeiten 1139.1. Der zweigeteilte Jahreskreis: Winter und Sommer 1139.2. Der viergeteilte Jahreskreis 1139.3. Der dreigeteilte Jahreskreis 11710. Die Hohen Zeiten des germanischen Jahreskreises 12110.1. Die Sonnenbindung uber die beobachtbare Wintersonnenwende 12210.1.1. Die Mutternacht 12210.1.2. Das Ende der Polarnacht 12410.2.1. Das Winternächteopfer 13210.2.2. Mittwinter 15710.2.2.1. Die Zwölf Nächte und der Dreizehnte Tag im Wochenkalender 16610.2.2.1.1. Die Zwölf Nächte im altenglischen Schrifttum 16610.2.2.1.2. Die Zwölf Nächte im Brauchtum 16810.2.2.1.3. Der Dreizehnttag auf dem Primstav 16910.2.2.1.4. Die Zwölf Nächte als Zeit der Ruhe 17110.2.3. Sommerbeginn im zweigeteilten Jahreskreis 17310.2.4. Altes Mittsommer Fahrtage und Brautläufe 17910.2.5. Archäologische Belege fur die Opferfeste an den Quartalstagen 18710.2.6. Die Termine fur Vár-, All- und Herbstding 18810.3. Festtage außerhalb der Quartalseinteilung des Jahres 19110.3.1. Þorrablót Góiblót Frøblót und das jährliche Disting in Uppsala 19110.3.2. Spurcalia, alte Fasnacht und Funken 19910.4. Weniger bedeutsame oder der Quellenlage nach spekulative Jahreskreisfeste 20310.4.1. Der heilige Herbstmond 20310.4.2. Schlachtfeste im Blótmond 20411. Alle neun Jahre Festlichkeiten im Neunjahreszyklus 20511.1. Rekonstruktion des Neunjahreszyklus 22511.1.1. Exkurs V: Der griechisch-attische Kalender 22911.1.2. Exkurs VI: Die Oktaeteris als Zeitmaß fur die Delphischen Spiele 23112. Wie lange wurde gefeiert? 23913. Das Neunjahr 24313.1. Heimdall und die Oktaeteris 24313.2. Oegirs neun Töchter 24613.3. Njörds neun Töchter 24713.4. Odin, Baldr und Draupnir 24713.5. Hermóðs Helfahrt 24813.6. Odins Selbstopfer 24813.7. Grimnir bei König Geirröd 24913.8. Die neun Kessel des Hymir 25014. Zusammenfassende Rekonstruktion des gebundenen Mondkalenders 253Anhang A: Liste der Feiertage des römischen Lunisolarkalenders 266Anhang B: Liste der Eintragungen auf den Primstab 272Anhang C: Franks Casket: Ein Schicksalszauber und der Lunisolarkalender 278Nachwort 317Danksagung 318Der Autor 319
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